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Das Projekt: Wallpaper Manet

 
     


Idee


Das Projekt besteht aus der Produktion und dem Vertrieb einer Fototapete mit dem digital bearbeiteten Motiv des Gemäldes „Le Déjeuner sur l’herbe“ von Édouard Manet. Das Bild wurde so bearbeitet, dass die Figuren entfernt und durch Hintergrund ersetzt wurden, so dass man nur die leere Landschaft sieht.

Motiv für die Fototapete

Durch das Format der Tapete und die Retouche wird das Bild zu einem reinen Hintergrund reduziert, so dass der Vordergrund sich aus ihm heraus verschiebt: die Szene die sich vor der Tapete abspielt, wird zum neuen Vordergrund und ihre Akteure werden als Figuren in das Bild integriert. Auf diese Weise verwischt sich die Grenze zwischen Leben und Kunst und ermöglicht dem Benutzer eine eigene Reinterpretation des oft zitierten Motivs des „Déjeuner sur l’herbe“.

Hintergrund

Bei seiner Ausstellung im Salon des Refusés provozierte Manets Gemälde 1863 einen Skandal. Angeblich war es einerseits schlecht gemalt und andererseits fand man es höchst anstössig, dass es eine nackte Frau in Gegenwart von zwei bekleideten Männern darstellte.

Nichts desto trotz war ein solches erotisches, Motiv in der akademischen Kunst gang und gäbe (man denke nur an „Susanna im Bade“), was wirklich Anstoss erregte war die Tatsache, das Manet keine biblische oder antike Erklärung für die Naktheit anführt, im Gegenteil: Es handelt sich eindeutig um eine alltägliche Freizeitszene des 19. Jahrhunderts. Zudem wurden in den Figuren Freunde aus Manets direktestem Umfeld erkannt: Seine Frau, sein Lieblingsmodell, sein Schwager... Diese alltägliche Normalität zum Motiv eines Kunstwerks zu machen, statt sich erhabener und idealer Inhalte zu bedienen, wurde als unerhört empfunden: ein Bruch mit der Tradition, eine Entweihung.

Reflexionen

Die bildende Kunst hat im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder versucht (oder zumindest behautet es zu versuchen), sich der breiten Bevölkerung anzunähern. Künstler waren oft aktiv in politischen Bewegungen, meist linker Auspägung, wollten durch ihre Arbeit auf die Gesellschaft einwirken und sie formen.

Leider wird aber heute noch der Erfolg eines Kunstschaffenden vorallem daran gemessen, ob er (oder sie) von einer intelektuellen und finanziell potenten Elite geschätzt wird. Die Kunst wird in Museen zur Schau gestellt, betrachtet und geachtet, aber spielt Kunst ausserhalb dieses ehrwürdigen Umfeldes wirklich eine Rolle im Leben der Menschen?

Es besteht eine tiefe Kluft zwischen dem, was von den Leuten auf der Strasse allgemein geschätzt wird und dem, was Museen und Kritiker als Kunst ansehen. Tatsache ist, das sich die meisten Leute statt einem orignalen Kunstwerk lieber Poster, Plakate, Flyer, Postkarten oder höchstens mal eine Reproduktion an die Wand hängen.

Joseph Beuys hat Ende der sechziger Jahre mit dem Erweiterten Kunstbegriff ein ganzheitlicheres Verständnis der Kunst propagiert. Beuys versteht jedes kreative Handeln, das auf eine Formung der Gesellschaft abzielt, als künstlerisches Handeln und kommt zu dem Schluss: „Jeder ist ein Künstler“.

Das Projekt Wallpaper:Manet versucht diese Haltung zu reflektieren und das Leben an sich, wenn es in diesem Bewusstsein gelebt wird, als Kunst zu inszenieren. Die Trennung zwischen Hoch- und Populärkultur wird verwässert und der aesthätische Genuss wird zu einer Frage der Einstellung gegenüber einer gegebenen Situation, so alltäglich sie auch sein mag.


Eva Michalcak

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